Wakenitz schützen
Wakenitz für alle – gemeinsam Verantwortung übernehmen
Ein Bericht, Standpunkt und Vorschlag der Wakenitz-Redaktion. Wir schreiben ihn fort, sobald sich etwas tut.
(Stand: Juli/26) – Wir sind die Wakenitz-Redaktion – ein gemeinnütziges Projekt in Kooperation mit dem FgBBB e. V. Keine Fraktion, keine Behörde – wir arbeiten parteiunabhängig und allparteilich. Wir schreiben seit Jahren über diesen Fluss, weil er zu Lübeck gehört wie die sieben Türme – und weil er krank ist. Verschlammung, Sauerstoffmangel, Nährstoffeintrag, Schilfsterben: Der „Amazonas des Nordens“ verlandet auf Raten. Seit einem Vierteljahrhundert steht die Wakenitz unter Naturschutz – und gerade dieses Jubiläum, das auch das Museum für Natur und Umwelt mit einer eigenen Ausstellung gewürdigt hat, hat noch einmal deutlich gemacht, wie sehr Klimawandel, Schilfsterben und Nutzungsdruck dem Gebiet zusetzen.
2025 haben wir mehrere Sitzungen der Lübecker Bürgerschaft und ihrer Ausschüsse zum Thema beobachtend begleitet. Wir haben mit Vertreterinnen und Vertretern von CDU, Grünen, SPD, GAL und Linken gesprochen, und mit dem NABU. Aus diesen Beobachtungen ist dieser Standpunkt entstanden. Er trennt bewusst, was belegt ist, von dem, was wir als Redaktion einschätzen.

Warum uns das nicht kaltlässt
Erlaubt mir bitte einen persönlichen Einschub, denn dieses Projekt hat einen Ursprung.
Ich bin an diesem Fluss aufgewachsen. Schon in der frühen Jugend habe ich die Freizeitgebiete und die Energie der Wakenitz in vollen Zügen gelebt. Ich bin in direkter Nachbarschaft zur Schule gegangen, hatte Schwimmunterricht in der Wakenitz und habe mein sportliches Leben auf dem Sportplatz Falkenwiese begonnen. Schulgarten, Freibäder, Drägerpark, Tor der Hoffnung, Falkenwiese – das alles war unser Revier, und wir waren viele. Einige wohnen bis heute hier oder sind zurückgekommen, weil diese grüne Lebensader in ihrer Symbiose mit der Stadt, der Trave und der Ostseeanbindung schlicht einzigartig ist. Natur, Lifestyle, Heimatliebe – das bestimmt heute meine Arbeit, mein Leben.
Als ich 2020 nach Lübeck zurückgezogen bin, war ich traurig. Traurig, dass die Wakenitz leidet und sich niemand so richtig kümmert. Ich wollte Vernetzung schaffen, sprach mit Stadtverantwortlichen, mit den angrenzenden Vereinen und ähnlichen Organisationen. Aber niemand wollte so recht die eigene Komfortzone verlassen. Also habe ich die Bürgerinitiative „Rund um die Wakenitz“ gegründet und angefangen, die Arbeit für ein höheres Bewusstsein für die Wakenitz selbst anzupacken. Daraus ist heute das gemeinnützige Projekt „Rund um die Wakenitz und Lübecker Altstadt“ geworden.
Städtische Unterstützung? Bislang kaum. Politische Unterstützung? Auch die hielt sich zurück. Finanzielle Hilfe von Stiftungen oder Unternehmen? Bisher Fehlanzeige. Die Spendenbereitschaft der Lübecker Bürgerinnen und Bürger ist äußerst überschaubar, und beim Mitmachen heißt es meist: gern – solange es nicht zu viel Arbeit macht. Also eher nicht.
Aber, es geht und in der Wakenitz-Redaktion nicht ums Klagen. Wir träumen von einem starken Miteinander, davon, dass auch in 20 Jahren noch diese wunderschöne Symbiose zwischen Naturschutzgebiet, Wasserspiel- und -Spaß, Fluss- und Stadtleben möglich ist. Das Ziel von „Rund um die Wakenitz“ ist es, Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger, Politik und Vereine mit ihrem Bewusstsein und ihren Interessen zu verbinden – und unseren Amazonas des Nordens wieder mit der Bedeutung in die Köpfe der Menschen zu bringen, die er als Naturwunder unserer Region braucht. Dafür betreibt die Redaktion unter meiner Leitung einen enormen Aufwand und finanziert dieses Projekt bislang ausschließlich aus eigenen Mitteln.
Wir sind überzeugt: Wenn das Bewusstsein dafür wieder wächst, was wir an diesem wunderschönen Fluss haben und brauchen, wächst auch die Bereitschaft für solidarische Schutzprojekte. So, wie es vor 2022 war – bevor wir gestartet sind -, durfte es nicht bleiben. Und es ist auch nicht so geblieben. Die Wakenitz, ihre Besucher und ihre Ufer leben wieder, leben noch. Das Bewusstsein wächst und die Menschen schauen mehr darauf, was mit der Wakenitz passiert. Jetzt müssen wir alle das Bestmögliche tun, um das zu erhalten: parteiübergreifend, vereinsübergreifend, stadtteilübergreifend – menschlich und unternehmerisch getragen.
Unsere redaktionelle Ausrichtung wird sich in den nächsten Jahren noch wesentlich stärker auf den Schutz der Wakenitz ausdehnen. Denn eines ist für uns klar: Stirbt die Wakenitz, stirbt Lübeck. Wer mitmachen will, ist herzlich willkommen.

Was belegt ist: der Weg zum Schutzkonzept
Die nüchterne Chronologie lässt sich anhand öffentlicher Quellen nachzeichnen:
- Mai 2025: Katja Mentz (GAL, Fraktion Die Linke/GAL) bringt im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung einen Antrag ein, der Fragen zum Zustand der Wakenitz und zu Lösungswegen stellt. Erste Beratung am 13. Mai 2025. Der Antrag wurde inhaltlich von der Arbeitsgemeinschaft Wakenitz des NABU mitvorbereitet. Jürgen Ibs (NABU) wies in seiner Stellungnahme auf die Renaturierung der Zuflüsse hin – Stichwort Niemarker Landgraben.
- Februar 2026: Der Fachbereich Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz (UNV) legt eine Konzeptskizze zur Verbesserung der Gewässerqualität und Biodiversität vor.
- 21. April 2026: Nach mehrfacher Vertagung bringen Silke Mählenhoff (Bündnis 90/Die Grünen) und Jochen Mauritz (CDU) einen Dringlichkeitsantrag ein. Der Umweltausschuss beschließt, die Konzeptskizze auszuarbeiten und erste Maßnahmen umzusetzen.
- Zugleich: Eine zusätzliche Personalstelle, die die UNV für die Umsetzung benötigt, wird von der Ausschussmehrheit nicht bewilligt. Der NABU kritisiert das öffentlich und fordert eine ausreichende personelle Ausstattung der Behörde.
Es gibt also ein Schutzkonzept. Das ist mehr als vor einem Jahr. Aber ein Konzept ohne bewilligte Stelle zur Umsetzung ist ein Versprechen auf dünnem Eis.
Was wir als Redaktion einschätzen
Die folgenden Sätze sind ausdrücklich unsere Beobachtung und Bewertung – kein Tatsachenbericht, sondern der Eindruck, den unsere Redaktionsvertreter aus den Sitzungen 2025 mitgenommen haben:
Über alle Parteien hinweg wirkte auf uns eine gewisse Ratlosigkeit, sobald es um die wirklich wirksamen Schutzmaßnahmen ging. Am sichtbarsten und beharrlichsten hat aus unserer Sicht Katja Mentz (GAL) das Thema getragen – über Monate, gegen wiederholte Vertagungen, unterstützt von großen Teilen der Linken und der SPD. Sie übernahm für uns erkennbar die Anwaltschaft für die Wakenitz und für die Bürgerinnen und Bürger, die ihre Stadt, ihre Flüsse und ihre grünen Oasen erhalten wollen. Für uns ist die GAL damit der politische Ansprechpartner, der beim Thema Wakenitz wirklich engagiert und themenorientiert arbeitet und dabei verlässlich ansprechbar bleibt.
Die Grünen haben wir in dieser Frage als zuverlässigen, aber unauffälligen Abstimmungspartner der CDU erlebt. Ein eigenes, treibendes Gesicht in Sachen Wakenitz konnten wir in ihren Reihen nicht ausmachen – und verbindlich ansprechbar wie die GAL waren sie für uns nicht. Wir hätten uns dort mehr eigenen Antrieb für die Sache – für Lübeck – gewünscht. Dass der über die Ziellinie getragene Dringlichkeitsantrag von Grünen und CDU stammt und auch so betitelt wurde, ändert für uns nichts daran, dass die inhaltliche Vorarbeit über ein Jahr lang aus einer anderen Ecke kam.
Dieses Bild deckt sich mit unseren Kontakten bis in die jüngste Zeit. Im Juni 2026 erreichte uns eine Mitteilung aus dem Umfeld der Grünen in Schleswig-Holstein – eine E-Mail einer Landtagsabgeordneten mit Terminvorschlägen, ohne jede Vorgeschichte; die zuständige Assistenz blieb für uns unerreichbar und rief auch nicht zurück. Mehr wurde daraus nicht. Und schon vor rund vier Jahren wollte sich Silke Mählenhoff von den Lübecker Grünen mit uns treffen – auch dazu kam es am Ende nicht. Für uns fügt sich das in einen Eindruck, den wir schon in den Jahren vor 2022 gewonnen haben: Einen offenen, verlässlichen Austausch haben wir uns von den Grünen in und um Lübeck bislang mehr gewünscht, als wir ihn erlebt haben. Das sagen wir, obwohl – oder gerade weil – wir als Redaktion parteiunabhängig und allparteilich arbeiten. Uns geht es nicht gegen eine Partei, sondern um die Sache. Deshalb hoffen wir auf Besserung: auf eine parteiübergreifende, zielorientierte Politik zum Wohle unserer Stadt und unserer Heimat.
Die CDU hielt sich nach unserem Eindruck bedeckt. In ihrem Abstimmungsverhalten wirkte es auf uns, als orientiere sie sich stark an den Interessen der flussnahen Landwirtschaft – gerade dort, wo über den Niemarker Landgraben ein zentraler Problemzufluss liegt. Der zuständige Senator (Hinsen/BfL) wirkte auf uns eher zurückhaltend als treibend. Von den Parteien rechts der politischen Mitte war die CDU für uns übrigens die einzige, die zum Thema ansprechbar war. In der Sache blieb ihre Linie für uns aber nah an der Haltung der Kaufmannschaft zu Lübeck: keine wirklichen Ressourcen, keine klare Position zum Wakenitzschutz. Die Kaufmannschaft selbst versteht sich hier nach unserem Eindruck ausdrücklich nicht als Ansprechpartnerin oder Unterstützerin, war auch nicht gesprächsbereit – immerhin ein klares Statement.
Umso mehr verdient eine Ausnahme Erwähnung: Stadtpräsident Henning Schumann (CDU) hat für die Anliegen der Wakenitz – und gefühlt für die der Lübecker Bürgerinnen und Bürger überhaupt – ein offenes Ohr und ein Herz. Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) überlässt dieses Feld nach unserer Erfahrung dagegen lieber dem Stadtpräsidenten oder anderen Vertreterinnen und Vertretern seiner Partei in der Bürgerschaft.
Ein Wort zur Gesprächsbereitschaft, die wir persönlich erlebt haben – sie sagt oft mehr als das Abstimmungsverhalten. Auf CDU-Seite haben sowohl Stadtpräsident Henning Schumann als auch Jochen Mauritz das Gespräch mit uns gesucht, sich ausführlich unserer Kritik gestellt und Rede und Antwort gestanden. An Herrn Mauritz‘ Position hat das zwar nichts geändert, aber die Bereitschaft zum offenen und umfassenden Austausch rechnen wir beiden hoch an. Auch aus der SPD erleben wir Offenheit: Herr Zahn hat sich ausdrücklich zu Gesprächen bereit erklärt, und Tim Klüssendorf ist – obwohl das Thema nicht unbedingt sein Ressort ist – für uns ebenso ansprechbar, wie wir es von ihm kennen. Von BfL kam dagegen mehrfach das Versprechen eines Rückrufs, dem nichts folgte. Die AfD haben wir nicht erreicht.
Ein ähnliches Bild wie bei der Kaufmannschaft erlebten wir auf der Stiftungsseite. In einem Telefonat vor rund einem Jahr spürten wir bei der Dräger-Stiftung wenig Interesse an den Themen der Wakenitz; man verwies auf die gute Arbeit der LTM (Lübeck Travemünde Marketing). Aus unserer Sicht sind das aber zwei verschiedene Dinge – Tourismusmarketing vs. Heimatliebe, Bürgernähe und Gewässerschutz. Uns bleibt die Sorge, dass der Wert dieses Naturraums mancherorts erst dann erkannt wird, wenn er ernsthaft bedroht ist. Genau deshalb machen wir weiter.
All das sind ausdrücklich die Erfahrungen und Eindrücke der Wakenitz-Redaktion aus den Sitzungen und Gesprächen des Jahres 2025. Sie sind eine Momentaufnahme und können sich jederzeit ändern – wir würden uns freuen, wenn sie es tun. Man kann vieles anders sehen, und wir hören gern Gegenargumente. Aber wir schreiben auf, was wir erlebt haben.
Die Bewegung zum Thema – unser Wegweiser
Wer sich selbst ein Bild machen will: Das Thema wird an vielen Stellen bearbeitet. Hier unsere kommentierte Übersicht. Wir ergänzen sie laufend.
Unsere eigenen Seiten
Was jede und jeder im Alltag am Ufer selbst tun kann, findest Du weiter unten auf dieser Seite. Dazu zwei Beiträge, die wir Dir besonders ans Herz legen:
- Ich bin die Wakenitz – ein Leserbrief der besonderen Art: Der Fluss selbst meldet sich zu Wort und erzählt, was ihm fehlt – Verschlammung, Sauerstoffmangel, wucherndes Kraut, Eutrophierung. Ein eindringlicher Appell und die Stimme, um die es hier geht.
- Wakenitz 360° – ein virtueller Rundgang in mehreren Etappen: Erlebe die Ufer, die Spiegelungen und die Stille des Flusses, um dessen Erhalt es hier geht.
Andere Initiativen, Verbände und Stimmen
- MEHR WAKENITZ – Ein im Aufbau befindliches Netzwerk (Vereinsgründung „MEHR WAKENITZ e.V.“), das den Fokus klar auf die Entschlammung legt. Es dokumentiert die wachsende Schlammschicht über dem Sediment und argumentiert für mehr Wassertiefe, Fließkraft und Sauerstoff. Eine deutliche, lösungsorientierte Stimme mit eigenem Schwerpunkt.
- NABU Lübeck – Arbeitsgemeinschaft Wakenitz – Der fachliche Motor im Hintergrund. Die AG dokumentiert den Zustand des Naturschutzgebiets (seit 1999, Teil des „Grünen Bandes“), hat den politischen Antrag inhaltlich mitvorbereitet und legt den Schwerpunkt auf die Renaturierung der belasteten Zuflüsse.
- NABU begrüßt den Ausschussbeschluss (HL-live) – Die Mitteilung des NABU zum Beschluss vom April 2026, inklusive der Kritik, dass die nötige Personalstelle für die Umsetzung nicht bewilligt wurde.
- Grüne Lübeck: „Endlich konkrete Maßnahmen zum Schutz der Wakenitz„ – Die Eigendarstellung von Grünen und CDU zum gemeinsamen Dringlichkeitsantrag. Lesenswert im Vergleich zur Chronologie oben.
- LN-Bericht: „Wakenitz in miserablem Zustand“ – Die überregionale Zeitung greift die Lage auf und fragt, wie der Fluss zu retten ist. (Beitrag hinter Bezahlschranke.)
- Bürgerfrage an Tim Klüssendorf (abgeordnetenwatch) – Eine Bürgerin/ein Bürger fragt den Lübecker SPD-Bundestagsabgeordneten direkt, wie der Schutz der Wakenitz verbessert werden soll. Zeigt, dass das Thema bis in die Bundespolitik reicht.
- openPetition: Pufferzone Weltkulturerbe / Landschaftsschutzgebiet Wakenitz – Ältere Petition (2017/18, inzwischen beendet) gegen eine Bebauung im Gewässerschutzstreifen an der Yorckstraße. Nicht das heutige Verlandungs-Thema, aber ein früher Beleg dafür, dass der Schutz des Ufers und der Pufferzone die Stadt schon lange beschäftigt.
Was jetzt zählt
Aus unserer Sicht als Redaktion lässt sich das Nötige auf wenige Punkte bringen:
- Weniger rein. Solange über Zuflüsse wie den Niemarker Landgraben Nährstoffe und Sedimente in den Fluss gelangen, behandelt jede andere Maßnahme nur Symptome. Pufferstreifen und die Renaturierung der Zuflüsse sind der Hebel an der Wurzel.
- Raus, was drin ist. Entschlammung und die regelmäßige Ernte der Krautfelder verschaffen dem Fluss Luft – im Wortsinn. Hier setzt „MEHR WAKENITZ“ an, hier muss die Stadt liefern.
- Menschen, die es tun. Ein Konzept ohne bewilligte Stelle bleibt Papier. Wenn die Politik den Schutz ernst meint, muss die UNV die Leute dafür bekommen.
Wir werten das Schutzkonzept nicht ab – es ist ein Anfang. Aber es reicht vorn und hinten nicht, solange die Umsetzung an Personal und am politischen Willen hängt.
Was Du selbst tun kannst
Die großen Hebel liegen bei Politik und Verwaltung. Doch die Wakenitz ist ein gemeinsames Gut – ihr Schutz beginnt an jedem einzelnen Ufertag. Rund um den Fluss wohnen und erholen sich unzählige Menschen, und in und an der Wakenitz leben ebenso viele Tiere: Vögel, Amphibien, Fledermäuse, Biber, Insekten, Fische. Sie alle brauchen Ruhe, sauberes Wasser und intakte Pflanzenzonen. Ein paar einfache Rücksichten helfen enorm:
- Halte die Wakenitz sauber. Nimm Deinen Müll wieder mit – auch das vermeintlich harmlose Taschentuch, den Zigarettenstummel, den Flaschendeckel.
- Verzichte auf offenes Feuer. Gegrillt wird nur an den dafür vorgesehenen Plätzen. In trockenen Böden – wie zuletzt im Dürrefrühjahr 2025, als Lübeck zu den niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands zählte – genügt ein Funke.
- Halte die Lautstärke im Rahmen. Die Wakenitz ist kein Festivalgelände. Was für die eine Gruppe ein schöner Nachmittag ist, bedeutet für Anwohner, Tiere und Ruhesuchende Stress.
- Bleib auf den Wegen. Uferzonen, Wiesen und Schilfgürtel gehören den Tieren. Trampelpfade zerstören Lebensräume, so bequem sie auch scheinen.
- Leine Deinen Hund an – besonders in Brutzeiten und sensiblen Uferbereichen. Mehr für Hundehalterinnen und -halter findest Du auf Wuff & Co..
- Nimm Rücksicht. Die Wakenitz ist für alle da – auch für die, die Ruhe suchen oder besonders auf die Natur angewiesen sind.
Mitmachen und lernen
Schutz beginnt beim Wissen – und in Lübeck gibt es viele, die genau das weitergeben. Der Lübecker Schulgarten vermittelt Kindern und Jugendlichen seit Jahrzehnten, was Pflanzen, Tiere und ökologische Zusammenhänge bedeuten – mit Herz, Verstand und praktischem Tun. Auch der BUND Lübeck, der NABU Lübeck und die Stiftung Grönauer Heide bieten Führungen, Material und Mitmachaktionen an. Dieses Engagement ist unbezahlbar – und es fängt oft im Kleinen an: mit einem Satz, einer Geste, einem aufgehobenen Stück Müll.



Wenn die Wasseroberfläche zur Warnung wird
Was auf den Bildern wie ein grüner Teppich aussieht, ist in Wahrheit ein Alarmsignal.
Diese dichten Algen- und Wasserlinsen-Decken bilden sich, wenn zu viele Nährstoffe, zu wenig Fließbewegung und anhaltende Trockenheit gleichzeitig zusammentreffen – genau die Bedingungen, die wir gerade erleben. Wo sonst Licht bis auf den Grund dringt und Unterwasserpflanzen Sauerstoff produzieren, liegt jetzt eine geschlossene Decke, die das Licht abschneidet. Was darunter an Pflanzen und Sauerstoff verloren geht, macht sich oft erst bemerkbar, wenn Fische an die Oberfläche kommen, um nach Luft zu schnappen.
Und das Tückische daran: Diese Teppiche verschwinden nicht einfach wieder. Sterben sie ab, sinken sie zu Boden, verrotten dort – und geben genau die Nährstoffe zurück, die im nächsten Jahr noch mehr Wachstum befeuern. Jedes Jahr wird die Fläche größer, die Bekämpfung aufwendiger, der Kreislauf schwerer zu durchbrechen. Ein Gewässer, das einmal in diesen Zustand kippt, kommt nicht von selbst wieder heraus.
Das ist ein Indiz dafür, warum wir hier von der höchsten Alarmstufe sprechen.
Was wir vom „Amazonas des Nordens“ kennen steht im genauen Gegensatz zu dem, was diese Bilder zeigen. Und genau deshalb kann die Antwort darauf auch nicht von Einzelnen kommen. Es braucht uns alle – mit Arbeit, mit Zeit, mit Geld, ohne Abgrenzungen, ohne Parteipolitik auf dem Rücken der Wakenitz.
Zwei Todesfälle in vier Wochen
Im Sommer 2026 sind innerhalb von vier Wochen zwei Menschen in der Wakenitz gestorben, beide in St. Gertrud.
Am Abend des 11. Juli wurden Feuerwehr und Polizei in den Drägerpark gerufen. Freunde meldeten einen 24-Jährigen als vermisst, er war kurz zuvor noch auf der Wakenitz gesehen worden. Die Feuerwehr rückte mit großem Aufgebot an, mit Tauchergruppe und Boot. Gegen 20.30 Uhr wurde er gefunden und ans Ufer gebracht. Die Reanimation blieb erfolglos.
Am Nachmittag des 9. August kenterte ein 58-jähriger Lübecker mit seinem Kajak. Um 15.47 Uhr ging der Notruf ein. Zwei Menschen am Ufer sprangen sofort ins Wasser und versuchten zu helfen – am Ende konnten sie nur das Kajak an Land ziehen. Feuerwehr, DLRG, eine Tauchergruppe aus Ratzeburg und eine Drohnengruppe suchten. Gegen 18.20 Uhr fanden Taucher den Mann in der Nähe einer Badestelle im Bereich Im Brandenbaumer Feld. Die Polizei hat ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet, Hinweise auf Fremdverschulden liegen nach ihren Angaben nicht vor.
Warum das hier steht: Weil wir über diesen Fluss schreiben, und weil dazu auch gehört, was an ihm passiert. Über die Ursachen wissen wir nichts, und wir spekulieren nicht darüber. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen.
Diese Verkrautung ist auch ein Sicherheitsthema
Unabhängig von diesen beiden Fällen gibt es einen Punkt, den wir auf dieser Seite schon länger auf dem Zettel haben und den wir jetzt aussprechen wollen.
Wir reden über die Verkrautung fast immer ökologisch: Nährstoffe, Sauerstoff, Licht, Artenvielfalt. Das ist richtig. Aber ein zugewachsener, trüber Fluss ist auch ein Fluss, in dem Hilfe schwerer ankommt. Die Feuerwehr hat das zum Einsatz am 9. August selbst benannt: Die Wakenitz ist stark verkrautet, die Sichtweite unter Wasser entsprechend gering – das macht jede Suche schwierig. Und bei jeder Wasserrettung ist Zeit die einzige Währung, die zählt.
Dazu kommt etwas, das viele kennen, die hier schwimmen: das Gefühl, plötzlich mitten in einem Krautfeld zu stehen. Pflanzen, die sich um die Beine legen, kein Grund unter den Füßen, keine Sicht nach unten. Erwachsene mit Wassererfahrung wissen meist, dass man da nicht kämpfen, sondern sich flach hinlegen und ruhig zurückschwimmen soll. Kinder wissen das nicht. Ungeübte Schwimmerinnen und Schwimmer auch nicht. Wer in so einer Situation in Panik gerät, strampelt – und verausgabt sich genau dort, wo er es am wenigsten kann. Das ist keine Schauergeschichte, sondern eine simple Folge davon, dass die Krautfelder von Jahr zu Jahr dichter werden und immer weiter in Bereiche hineinwachsen, in denen früher offenes Wasser war.
Für uns heißt das: Entschlammung, Krauternte und die Renaturierung der Zuflüsse sind nicht nur Naturschutz. Sie sind auch ein Beitrag dazu, dass die Wakenitz ein Gewässer bleibt, in dem Menschen sicher schwimmen und Rettungskräfte arbeiten können. Wir würden uns wünschen, dass dieser Aspekt in der weiteren Arbeit am Schutzkonzept mitgedacht wird – er taucht dort bislang nicht auf.
Und ganz praktisch, für alle, die hier ins Wasser gehen: Die Wakenitz ist kein Schwimmbad. Am sichersten schwimmt es sich in den Naturbädern Falkenwiese und Marli – dort schaut jemand hin. Wer draußen ins Wasser geht: nicht allein, nicht in der Dämmerung, nicht nach Alkohol. Kinder gehören dort in Sichtweite und Armlänge, nicht nur in Rufweite. Und beim Paddeln gehört eine Schwimmweste dazu, auch auf den ruhigen Abschnitten.
Quellen: Lübeck live (hl-live.de) vom 11.07.2026 und 11.08.2026; gemeinsame Medieninformation der Staatsanwaltschaft Lübeck und der Polizeidirektion Lübeck vom 10.08.2026.
Unsere Bitte
Wer die Natur nutzt, sollte sie auch schützen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Blick fürs Ganze. Nicht weil es Gesetze gibt, sondern weil wir es selbst so wollen. Die Wakenitz ist ein gemeinsamer Schatz. Hilf mit, dass sie keiner wird, den wir irgendwann nur noch auf Bildern sehen.
Du hast Beobachtungen, Korrekturen, eigene Recherchen oder eine Idee für den Schutz Deiner Lieblingsplätze? Schreib uns: mail@wakenitz.info oder per WhatsApp +49 (0)176 42911761. Wir hören zu – und melden uns, sobald es Neues gibt.
Wer mitmachen will
Wer sich für die Wakenitz einsetzen möchte – und damit für unsere ganze Region –, ist herzlich willkommen. Ein paar Dinge sollte aber mitbringen, wer mitmacht: die Bereitschaft, parteiübergreifende Wahrheiten auszuhalten. Und das Gefühl einer Verpflichtung gegenüber dem Naturerbe – nicht gegenüber dem eigenen natürlichen Swimmingpool mit Aussicht, nicht aus finanziellen Gründen und schon gar nicht wegen irgendwelcher Parteiinteressen.
Alt oder jung, weiblich, männlich oder divers, ob gelb, grün, blau, schwarz oder rot – Parteifarben dürfen hier keine Rolle spielen. Es geht um die Wakenitz. Es geht um Lübeck. Es geht um uns alle.
Stirbt die Wakenitz, stirbt Lübeck.

Torben Gösch – Redaktionsleitung der Wakenitz-Redaktion – Initiative Rund um die Wakenitz · ein gemeinnütziges Projekt in Kooperation mit dem FgBBB e. V.
Sonderbeitrag: „Ich bin die Wakenitz“ – Nachricht von der Wakenitz. Klicke hier um mehr zu erfahren.
Sonderbeitrag: „Wakenitz 360°“ – ein virtueller Rundgang. Klicke hier um mehr zu erfahren.
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