Wakenitz schützen

Wakenitz für alle – gemeinsam Verantwortung übernehmen

  • Mai 2025: Katja Mentz (GAL, Fraktion Linke/GAL) bringt im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung einen Antrag ein, der Fragen zum Zustand der Wakenitz und zu Lösungswegen stellt. Erste Beratung am 13. Mai 2025. Der Antrag wurde inhaltlich von der Arbeitsgemeinschaft Wakenitz des NABU mitvorbereitet. Jürgen Ibs (NABU) wies in seiner Stellungnahme auf die Renaturierung der Zuflüsse hin – Stichwort Niemarker Landgraben.
  • Februar 2026: Der Fachbereich Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz (UNV) legt eine Konzeptskizze zur Verbesserung der Gewässerqualität und Biodiversität vor.
  • 21. April 2026: Nach wiederholter Vertagung bringen Silke Mählenhoff (Bündnis 90/Die Grünen) und Jochen Mauritz (CDU) einen Dringlichkeitsantrag ein. Der Umweltausschuss beschließt, die Konzeptskizze auszuarbeiten und erste Maßnahmen umzusetzen. 50.000 Euro stehen zur Verfügung, weitere Mittel frühestens im Haushalt 2027. Die Fraktion Linke und GAL erklärt dazu, CDU, Grüne und FDP hätten eine Entscheidung über den seit Mai 2025 vorliegenden Antrag ein Jahr lang mehrfach vertagt und einen Tag vor der Sitzung einen eigenen Antrag eingebracht. Der NABU schreibt, der Beschluss sei nicht zuletzt der Hartnäckigkeit zu verdanken, mit der Katja Mentz ihren Antrag seit Mai 2025 immer wieder vorgelegt habe.
  • Ende August 2026: Die Lübeck Port Authority beginnt, Wasserpflanzen am Falkendamm und im Dükerkanal zu entfernen. Ab Anfang September werden handgesammelte Krauthaufen bei Anliegern abgeholt. Ein bedarfsorientiertes Pflegekonzept für 2027 ist in Arbeit. Eine pauschale großflächige Entfernung und ein Ausbaggern lehnt die Stadt aus ökologischen Gründen ab.
  • 1. September 2026: Die SPD bringt über Dr. Marek Lengen einen eigenen Antrag ein – unter anderem Ausbaggern ab dem Bereich „Langer Jammer“, Renaturierung des Niendorfer Landgrabens, Änderung des Gewässerpflegeplans, händische Selbsthilfe. Genannte Zahl: Die Wassertiefe ist von 2,02 m auf 1,72 m gesunken.
  • 3. September 2026: Laut NDR fordern CDU, SPD und FDP konkrete Maßnahmen gegen die Verkrautung. Die Bürgerinitiative Mehr Wakenitz wendet sich mit einem offenen Brief an Bürgermeister Jan Lindenau.
  • 15. September 2026: Katja Mentz beantragt im Umweltausschuss, im Stellenplan 2027 eine zusätzliche Personalstelle im Bereich UNV einzustellen und ein Budget zur Deckung des Eigenanteils bei Förderanträgen bereitzustellen. Nach einer Beratungspause stellt die CDU einen Änderungsantrag: Statt einer zusätzlichen Stelle solle die Aufgabe aus dem Personalpool der Verwaltung besetzt werden. Der Änderungsantrag wird beschlossen, der ursprüngliche Antrag damit abgelehnt. Eine Mitarbeiterin der Verwaltung weist in der Sitzung darauf hin, dass der Personalpool für eine dauerhafte Besetzung nicht zur Verfügung stehe. Katja Mentz bringt ihren Antrag für die Haushaltsberatungen erneut ein. Einstimmig beschlossen wird ein ebenfalls von ihr beantragter „Runder Tisch Wakenitz“.
  • 24. September 2026: Die Bürgerschaft verabschiedet den Haushalt 2027. Die zusätzliche Personalstelle für das Wakenitz-Konzept wird beschlossen, zusammen mit einem Budget – auf gemeinsamen Antrag von Grünen, CDU und FDP. Ebenfalls beschlossen: bis zu 320.000 Euro für die Wakenitz, davon 100.000 Euro für erste Maßnahmen zur Gewässerqualität, 200.000 Euro für einen wissenschaftlich begleiteten Pilotversuch zur großflächigen Entkrautung und bis zu 20.000 Euro für die Naturbäder bei der Entkrautung. Der Haushalt schließt mit einem Defizit von 150,4 Millionen Euro und steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Kommunalaufsicht des Landes.
  • 5. Oktober 2026: Die Fraktion der Grünen veröffentlicht eine Mitteilung zu den Wakenitz-Mitteln, die mehrere Lübecker Medien im Wortlaut übernehmen. Am selben Tag erklärt Juleka Schulte-Ostermann für die Fraktion Linke und GAL, die Mehrheit habe „die von der GAL seit über einem Jahr geforderte Personalstelle für das Wakenitz-Konzept mit Budget beschlossen“.

Damit ist seit September alles drei da: ein Konzept, Geld und die Stelle, die es umsetzen soll. Das ist deutlich mehr als vor einem Jahr – und es ist der Punkt, den wir auf dieser Seite am hartnäckigsten gefordert haben.

Unsere Anfragen

Als Redaktion schreiben wir nicht nur auf, was passiert. Wir fragen nach. Zum Haushaltsbeschluss haben wir uns an die beteiligten Fraktionen und an den Fachbereich Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz gewandt, mit zwei Fragen:

Wie ist die beschlossene Personalstelle ausgestaltet – befristet oder dauerhaft, mit welchem Budget, mit welchem Zeitplan für die Ausschreibung?

Wann startet der wissenschaftlich begleitete Pilotversuch zur Entkrautung, und wer begleitet ihn fachlich?

Zweitens haben wir um Teilnahme am beschlossenen „Runden Tisch Wakenitz“ gebeten. Wir begleiten dieses Thema seit 2022 redaktionell, führen ein eigenes Bild- und Textarchiv zur Entwicklung des Flusses und erreichen jedes Jahr mehrere hunderttausend Leserinnen und Leser aus der Region. Wir halten das für einen sinnvollen Beitrag an so einem Tisch.

Sobald uns Antworten vorliegen, veröffentlichen wir sie hier – vollständig und unkommentiert. Auch die, die uns nicht gefallen. Und auch dann, wenn keine kommt.

Nachtrag Oktober 2026

Der Herbst 2026 hat mehr gebracht, als wir nach dem Sommer erwartet hatten.

Mit dem Haushalt 2027 ist die zusätzliche Personalstelle im Fachbereich UNV beschlossen – genau der Punkt, den wir auf dieser Seite als den entscheidenden bezeichnet haben, und den die GAL nach eigener Aussage seit über einem Jahr gefordert hat. Dazu bis zu 320.000 Euro für Maßnahmen und ein wissenschaftlich begleiteter Pilotversuch zur Entkrautung – weder blinde Entkrautung noch weiteres Zuschauen. Wer über Jahre fordert, dass die Politik liefert, muss es anerkennen, wenn sie es tut. Das tun wir hiermit, ohne Einschränkung.

Was wir trotzdem festhalten: Der Weg dorthin war lang, und er war es nicht aus fachlichen Gründen. Der Antrag, aus dem all das hervorgegangen ist, lag seit Mai 2025 vor, fachlich vorbereitet mit dem Arbeitskreis Wakenitz. Der NABU hat den Beschluss vom April 2026 ausdrücklich der Hartnäckigkeit zugeschrieben, mit der Katja Mentz ihn immer wieder vorgelegt hat. Noch am 15. September wurde ihr Antrag auf die Stelle abgelehnt und erst im Haushalt neun Tage später beschlossen. Wer sich am Ende die Erfolge zuschreibt, mag jede und jeder selbst beurteilen. Uns interessiert vor allem, dass der Fluss etwas davon hat.

Und wir halten fest, wie dieser Beschluss kommuniziert wurde. Gefordert hatten im Spätsommer 2026 mehrere Seiten gleichzeitig: die SPD mit einem eigenen Antrag, CDU, SPD und FDP gemeinsam im Ausschuss, die Bürgerinitiative Mehr Wakenitz mit einem offenen Brief, und die Verwaltung handelte über die Lübeck Port Authority bereits seit Ende August. In der Mitteilung vom 5. Oktober, die mehrere Lübecker Medien im Wortlaut übernommen haben, findet sich davon wenig. Dass eine Fraktion ihre Erfolge erzählt, ist normal.

Ein Wort zu unserer eigenen Rolle. Wir beobachten, dass sich rund um die Wakenitz Nähe gebildet hat – zwischen Initiativen, Fraktionen und Redaktionen. Das ist in einer Stadt dieser Größe kaum vermeidbar, und wir machen niemandem daraus einen Vorwurf. Für uns ist es aber eine bewusste Entscheidung, diese Nähe nicht zu suchen. Wir sind in keiner Fraktion, in keinem Bündnis und in keiner Absprache. Das kostet uns Einladungen, Informationen und vermutlich auch Zitate. Es ist der Preis dafür, dass wir die ganze Chronologie aufschreiben können und nicht nur den Teil, der gerade gut aussieht.

Dass die Lübecker Politik und die etablierte Presse von unserer Arbeit bislang wenig wissen wollen, nehmen wir sportlich. Das Bewusstsein für diesen Fluss war in Lübeck nie größer als in den vergangenen vier Jahren. Woran das liegt, mag jede und jeder selbst beurteilen. Wir machen weiter – mit oder ohne Einladung.

  1. Weniger rein. Solange über Zuflüsse wie den Niemarker Landgraben Nährstoffe und Sedimente in den Fluss gelangen, behandelt jede andere Maßnahme nur Symptome. Pufferstreifen und die Renaturierung der Zuflüsse sind der Hebel an der Wurzel. Erfreulich: Genau das benennt auch die Mitteilung vom 5. Oktober.
  2. Raus, was drin ist – aber mit Verstand. Entschlammung und Krauternte verschaffen dem Fluss Luft. Der wissenschaftlich begleitete Pilotversuch ist dafür der richtige Weg, weil er prüft, statt zu raten. Wichtig ist, dass er zügig startet und nicht zum Dauerprüfauftrag wird.
  3. Menschen, die es tun – beschlossen, noch nicht im Dienst. Die zusätzliche Stelle im UNV ist da. Entscheidend ist jetzt, dass sie nach der Haushaltsgenehmigung zügig ausgeschrieben und besetzt wird – und dass sie dauerhaft angelegt ist. Die Verwaltung hat im September selbst erklärt, dass ein Rückgriff auf den Personalpool dafür nicht trägt. Wir sehen im Frühjahr 2027 nach, ob die Stelle ausgeschrieben, besetzt und mit Arbeit ausgestattet ist, und schreiben es hier auf. Egal wie die Antwort ausfällt.
  4. Der Runde Tisch muss ein echter werden. Er wurde einstimmig beschlossen – das ist die beste Nachricht des ganzen Septembers. Jetzt entscheidet sich, wer daran sitzt. Wenn dort Verwaltung, Fachleute, Vereine, Anliegerinnen und Anlieger, Wassersport, Landwirtschaft und Bürgerschaft wirklich zusammenkommen, kann daraus das werden, was wir seit 2022 fordern. Wird er ein Kreis der üblichen Beteiligten, ist er ein weiterer Termin.

Quellen: Lübeck live (hl-live.de) vom 11.07.2026 und 11.08.2026; gemeinsame Medieninformation der Staatsanwaltschaft Lübeck und der Polizeidirektion Lübeck vom 10.08.2026.

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